December 29, 2006

Christmas in Oklahoma



Hallo ihr Lieben,


Dieses Jahr durfte ich Weihnachten mal ganz anders verbringen und ich bin sehr froh, diese Erfahrung gemacht zu haben. Letzten Samstag habe ich die lange Reise nach Oklahoma angetreten, wobei ich sehr froh war, dass ich einen anderen Flug hatte, als meine Gastfamilie, da die sich schon um vier Uhr morgens auf dem Weg zum Flughafen machen mussten, ich dagegen erst um elf! Am Flughafen herrschte reger Betrieb, da es ein Tag vor Heiligabend war, versuchten die Flughafenmitarbeiter alles moegliche, um Leuten ihre Flugtickets abzuschwatzen. Im Minutentakt gab es Durchsagen, dass diejenigen, die ihre Tickets abgeben wuerden, 500$ bekommen wuerden plus ein neues Flugticket fuer den darauffolgenden Morgen. Wie gerne haette ich mein Flugticket abgeben, aber ich dachte mir irgendwie, dass Angela und Max das vermutlich nicht so doll finden wuerden, also hab ichs gelassen ;)!
Heute ist Donnerstag und morgen werde ich, diesmal mit meiner Gastfamilie, die Rueckreise antreten, aber nicht, bevor ich euch von meiner Woche in Oklahoma erzaehlt habe! Oklahoma an sich ist einfach nur langweilig, viel flaches Land und ab und zu mal ein Haus, aber die Haeuser, die ich gesehen habe, erinnerten mehr an Villen als an Haeuser! (Angela meinte, wenn sie hierher ziehen wuerden, dann koennten sie beide in Rente gehen, da es hier so billig waere!) So auch das Haus, in dem Angela grossgeworden ist. Ein riesiges Anwesen, mit eigenem Wald, See und natuerlich duerfen Swimmingpool und Whirlpool nicht fehlen. 
Heiligabend haben wir mir Angelas grosser Familie verbracht, ihren Grosseltern, Eltern, Tanten, Onkeln und Cousinen/ Cousins plus Anhang. Viele der Cosuinen und Cousins waren zwischen 20 und 30, was fuer mich ganz schoen war. Die ganze Familie hat mich unheimlich herzlich begruesst (Welcome to our family) und ich fuehlte mich auf Anhieb wohl. Das Abendessen war eher ein Buffet, doch bevor alle anfangen, wird im Familienkreis ein Lied gesungen, obwohl ich es mittlerweile bestimmt fuenfmal gehoert habe, hab ich keine Ahnung, also fragt nicht...;)! Nach dem Dinner wurden dann im Wohnzimmer Weihnachtslieder gesungen, ich war heilfroh, dass es Liederhefte gab, da ich ansonsten allemal Jingle Bells haette mitsingen koennen! Irgendwie fand ich das sehr schoen, dass alle so beisammen sassen, die juengste war 15 (abgesehen von meinen Kids) und der aelteste an die 80 und gesungen haben. Weniger witzig fand ich es dann, als ich alleine "Stille Nacht, heilige Nacht" singen sollte, oder wahlweise "Oh Tannenbaum". Dabei darf ich nicht vergessen, dass alle sehr lustige Huete tragen mussten, die sahen aus wie Weihnachtsbaeume und hatten Lichterketten, die leuchteten, sehr witzig auf jeden Fall. 
Nach dem Singen wurden Familienfotos gemacht, jede Familie einzelnd vor dem Kamin, wobei natuerlich jeder ein Foto haben wollte und dann hiess es immer :"Ten more, ten more!" (womit gemeint war, noch zehn Fotos mehr, dann seid ihr erloest!). Da ich nun zur Familie Muller gehoere, durfte ich natuerlich auch mit aufs Foto! 
Ich fuehlte mich dort so wohl, als wuerde ich schon immer dazu gehoeren und obwohl ich auch oefters an Weihnachten daheim gedacht habe, so hatte ich dennoch kein Heimweh. Geschenke gabs an diesem Abend keine, da in den USA Weihnachten ja erst am 25.12. ist. 
Um acht Uhr am naechsten Morgen sassen wir also im Wohnzimmer von Angelas Eltern und oeffneten Geschenke. Da meine Gastfamilie die Geschenke nicht erst mit nach Oklahoma schleppen wollte und dann wieder zurueck, haben wir beschlossen, unsere Bescherung erst naechstes Wochenende zu machen. Dennoch hab ich von meinen Gasteltern bereits eine "Kleinigkeit" bekommen, eine Casio Digitalkamera mit passender Speicherkarte, in knallrot, wunderschoen!!! Von Angelas Eltern bekam ich die zweite Staffel von OC California geschenkt und eine Menge Kosmetik. 
Danach startete unser Weihnachtsmarathon, wir mussten zu fuenf Haeusern an diesem Tag. Als zweites gingen wir wieder zu Angelas Grosseltern, wo wir auch Heiligabend verbracht haben, um dort mit der ganzen Familie - im Schlafanzug - Geschenke zu oeffnen (zwei der Maenner trugen ein Nachthemd, sehr lustig!). Danach gings weiter zu Max's Eltern, wo es fuer mich weitere Geschenke gab, eine Tasche, Kosmetik und ein Tagebuch. Danach fuhren wir zu Angelas Tante Sandi und Sandis Mann Randi (lustig, oder?), wo wir Lunch hatten, wieder im Kreise der ganzen Familie. Dort wurde ich gezwungen, deutsche Dauerwerbesendungen im Fernsehen anzuschauen, Angelas Cousin dachte wohl, dass dies eine besonders tolle Sendung waere und wollte mir was gutes tun:)! Abends gings dann wieder zu Max's Eltern, wo es weitere Geschenke gab und Dinner. Die Sache mit den Geschenken ist in den USA reichlich uebertrieben. Diejenigen, die vor fuenf Jahren ueber die Geschenke in Rhode Island bei meiner Gastfamilie gestaunt haben, haetten das Spaktakel sehen muessen! Ich sass einfach nur da, und hab nur noch gestaunt und konnte es gar nicht fassen. Das halbe Wohnzimmer lag voller Geschenke, dabei waren bei Max's Eltern nur acht Personen (inklusive Kinder) und wir haben zwei Stunden gebraucht, um alles auszupacken! Dabei lief das nicht so ab, dass einer ein Geschenk auspackte und alle dabei zusahen, nein, es wurde wie am Fliessband ausgepackt! Unfassbar fuer mich...ich war hinterher zugegebermassen ein bisschen geschockt und natuerlich auch vollkommen platt von all den Eindruecken, die an diesem Tag auf mich eingestuerzt waren.
Die weitere Woche verlief dann etwas ruhiger, obwohl wir jeden Abend bei jemand anderem zum Dinner eingeladen waren, allerdings hab ich mich zweimal ausgeklingt, da ich zwei Tage krank war. Das ist auch noch so eine witzige Sache hier, wenn jemand krank ist, dann wird man total bemitleidigt, ungefaehr so: I'm so sorry, you're sick! - und das sagen sie dann sehr, sehr oft! Dabei koennen sie ja auch nichts dafuer, dass man krank ist. Zumindest kam ich in den Genuss, von vorne bis hinten bedient zu werden, obwohl ich nur eine leichte Grippe hatte, nicht uebel auf jeden Fall! ;)
Angela und Max hatten in dieser Woche nicht nur viel Zeit fuer ihre Kinder, sondern auch fuer mich, sie haben mir viele Dinge am PC gezeigt, sich mit mir ausschweifend unterhalten und ich fuehlte mich wirklich heimisch. Ausserdem haben sie mir sehr viel Freizeit gegeben, obwohl dies ja eigentlich meine Arbeitszeit war und ich die Woche voll bezahlt kriege, gestern war ich zum Beispiel mit ihnen im Kino, waehrend wir die Kinder bei den Grosseltern gelassen haben. Von daher war diese Woche auch fuer mich ein kleiner "bezahlter" Extraurlaub, den ich sehr genossen habe. Vorhin hab ich mich ganz allein vor den RIESEN Fernseher im Wohnzimmer gesetzt, meine Lieblingsserie geschaut und hinterher durfte ich in den Whirlpool draussen, inklusive Sternenhimmel und meinem Laptop, wo ich DVD schauen konnte...was kann es schoeneres geben:)!
Im Juni faehrt die ganze Familie, also alle, die auch Heiligabend dabei waren, auf eine Kreuzfahrt, das machen sie alle zwei Jahre und Angela und Max wuerden mich gerne mitnehmen, allerdings wissen sie noch nicht, ob es noch Karten gibt, aber da Angelas Vater ein Reisebuero besitzt, meinte sie, dass es vielleicht klappen koennte. Also drueckt mir die Daumen, denn erstens wollte ich immer schonmal eine Kreuzfahrt machen, zweitens mag ich Angelas Familie wirklich sehr und denke, dass es sehr lustig werden koennte und drittens wuerden meine Gasteltern mir nicht nur die Reise bezahlen, sondern ich wuerde auch weiterhin mein volles Gehalt bekommen...! Schauen wir mal! Trotz der schoenen Woche, bin ich froh, wenn wir morgen wieder "nach Hause" fliegen und ich geregelte Tage habe und vorallem, erstmal Wochenende! 


Es geht mir also auch in Woche drei sehr gut hier, ich frage mich langsam, ob das Heimweh mich irgendwann heimtueckisch von hinten ueberfaellt oder es ganz ausbleibt! Was aber nicht heisst, dass ich euch "zuhause gebliebenen" nicht vermisse, nicht, dass ihr mich jetzt falsch versteht! :)
Am Wochenende hab ich bisher nichts besonderes geplant, Fitnessstudio, evtl. shoppen gehen und Silvester arbeite ich, allerdings habe ich das meinen Gasteltern selbst angeboten, da alle Au Pairs, die ich bisher kenne, mit ihren Familien weggefahren sind. Ich wuensche euch aber einen guten Rutsch, ich werde dann mittags um drei an euch denken, wenn ihr bereits aufs neue Jahr anstoesst:)!
Ich danke euch allen fuer all die lieben E-Mails und Gaestebucheintraege, ich freue mich ueber jede einzelnde!!!


Also dann...bis naechstes Jahr :)!


Alles Liebe, Nadine

December 20, 2006

Das Leben in San Jose


Hallo ihr Lieben,


nach einem langen Tag un einer noch laengeren letzten Woche (55 Stunden arbeiten bin ich einfach nicht mehr gewohnt) will ich euch noch kurz erzaehlen, wie die letzte Woche bei mir verlief.
Ich fuehle mich nach wie vor super wohl hier, es ist nicht so, dass ich morgens mit dem Gefuehl aufwache: Scheisse, du bist ja immer noch hier! Das hatte ich naemlich in meinem Au Pair Jahr so und ich bin sehr froh, dass ich mich hier so wohl fuehle. Angela und Max sind nach wie vor sehr nett zu mir, sie unterhalten sich viel mit mir, interessieren sich fuer mich und wenn ich eine Frage oder ein Problem hab, dann helfen sie mir sofort. Sie geben mir jeden Tag das Gefuehl, wie toll es doch ist, dass ich zu ihnen gekommen bin und sagen dies auch. Sie bedanken sich fuer jede Kleinigkeit, die ich hier im Haushalt tue und ich fuehle mich einfach rundum wohl. Max erzaehlt mir jeden Tag irgendwelche Geschichten (meistens von der Arbeit), wobei ich aber immer nur die Haelfte verstehe, weil er soviele Fachbegriffe oder Abkuerzungen benutzt! Ist aber trotzdem lustig!
Die Tage mit Ansel alleine sind toll, ausser die Tatsache, dass er immer rumgetragen will und das Kind wiegt an die 12 kg. Ins Fitnessstudio brauche ich somit schon nicht mehr;)! Manchmal ist er echt weinerlich, ich meine, wenn ich kochen muss, dann kann ich ihn einfach nicht zwei Stunden rumtragen, aber da er das ja so von Mama gewoehnt ist, muss die Nanny auch mal ran! Dienstags und Donnerstags ist Tycho auch zuhause und es ist nicht so, dass ich dann weniger gerne arbeite. Ich finde es toll, dass ich immer den Wechsel hab, mal einen Tag mit Ansel alleine, dann wieder beide Kinder. Tycho ist unglaublich selbststaendig und unheimlich weit fuer sein Alter, um ihn muss man sich fast gar nicht kuemmern, obwohl ich versuche, an den Tagen, wo er da ist, mich mehr auf ihn zu konzentrieren. Gestern hat er zu seiner Mutter gesagt, dass er mich viel lieber hat als Miss Sandra, das ist seine Lehrerin in der Preschool! :)
Mittlerweile hab ich mich auch ans Autofahren und die naehere Umgebung gewoehnt, na anfaenglichen Schwierigkeiten find ich nun immer den Weg und versuche auch soviel wie moeglich mit den Kindern zu unternehmen. 
Im Fitnessstudio bin ich mittlerweile auch angemeldet, die haben dort sogar ein Schwimmbad, einen Whirlpool und eine Sauna und ist viel billiger als in Deutschland. Man will ja nicht fett werden, ne...?;) Das kochen klappt auch ganz gut, momentan wechseln Angela und ich uns mit der Menueplanung immer ab, aber irgendwann soll ich das ganz uebernehmen. Am Samstag fliegen wir nach Oklahoma, um fuer eine Woche die Eltern meiner Gasteltern zu besuchen und mit ihnen Weihnachten zu verbringen.
Heute hab ich mich zum ersten mal mit einem anderen Au Pair getroffen und es war toll einfach mal wieder deutsch zu sprechen und raus zu kommen. Sie erzaehlte mir, dass sie so eine Gruppe Maedels sind, ungefaehr zehn oder so, also alle deutsche Au Pairs, die sich ziemlich oft treffen, um gemeinsam Sport zu treiben, Fernsehen zu gucken, shoppen zu gehen, essen zu gehen, feiern zu gehen oder irgendwelche Trips in Kalifornien zu unternehmen. Am DO bin ich direkt zum OC California gucken eingeladen worden und lerne dort die anderen Maedels kennen, also bin ich schon nicht mehr ganz so alleine:)! Aproppo Fernsehen, hab ich erzaehlt, dass wir hier kein Fernsehprogramm empfangen? Das haben meine Gasteltern mir doch glatt verschwiegen, aber bisher hatte ich eh keine Zeit um fernsehen zu gucken, von daher ist es mir noch nicht gross aufgefallen. Verschwiegen haben sie mir ausserdem, dass im Keller ein Untermieter wohnt, Ben, aber das ist eigentlich auch kein Problem, weil man den weder sieht noch hoert!
Am Wochenende habe ich zum ersten mal geskypt, was wirklich eine tolle Sache ist, also solltet ihr euch jetzt alle schnellstens Skype zulegen, damit wir miteinander telefonieren koennen.:)  Auf jeden Fall wuerde ich mich freuen, wenn ich den ein oder anderen von euch dort bald wiedersehe (was woertlich gemeint ist, am Wochenende konnte ich mich persoenlich davon ueberzeugen, wie betrunken unser lieber Moeti morgens um halb sieben deutscher Zeit aussehen kann:)) - Nichts fuer ungut, Moeti, war schoen dich mal "live" gesehen zu haben :)!)
Ansonsten bietet das Leben hier allerlei Kuriositaeten, aber ich liebe es. Am Sonntag auf dem Weg vom shoppen zurueck war ich auf einmal ungaublich dankbar, hier sein zu duerfen. Stellt euch vor: Ich auf dem Highway, eines meiner Lieblingslieder im Radio, links von mir die Skyline von San Jose, ueberall Palmen und geradeaus die wunderschoenen Bergen, hinter denen grade die Sonne unterging und alles rot faerbte! Total schoen! Aber ich will euch ja nicht neidisch machen...:)
Also ihr Lieben, wie ihr seht, geht es mir gut hier und ich hoffe, dass es euch genauso geht!


Bis bald!


Alles Liebe, 


Nadine

December 17, 2006

Crazy Americans


In den letzten Tagen musste ich immer wieder Dinge feststellen, die meine deutsche Mentalitaet nicht so recht nachvollziehen koennen!
1. Wieso lebt man in einem Land, dessen Sprache man nicht beherrscht???
Am Donnerstag bin ich mit den Kids zum Children's Discovery Museum gefahren. Nur leider hat mein Routenplaner eine komplett andere Strecke ausgedruckt und auf einmal hatte ich mich komplett verfahren. No Problem, dachte ich, dann frag ich halt jemanden nach dem Weg. Doch anscheinend lebt in dieser Stadt kaum jemand, der englisch sprechen kann. Ich habe ungelogen mindestens zehn verschiedene Personen angesprochen, bevor ich jemanden gefunden habe, der mehr englisch konnte, als "I don't speak english!" Naja, beim 15. Versuch hat es dann geklappt und wir sind doch noch beim Museum angekommen!
 2. Habt ihr denn keine Schluessel???
Anscheinend nicht, denn meine Gasteltern schliessen weder ihr Auto (und lassen dabei auch noch die Schluessel stecken) noch ihr Haus ab! Sogar alle Schiebetueren der grossen Fenster sind und bleiben unverschlossen. Mir kam das doch sehr seltsam vor und deswegen habe ich ungefaehr dreimal nachgefragt, bevor ich auch wirklich begriffen hatte, dass ich mich nicht bloss verhoert hatte! :) Ihr Argument lautet, dass es in dieser Gegend seit 18 Jahren keinen Einbruch mehr gab und wenn man vorm Berg steht, dann wuerde man ihr Haus sowieso nicht sehen! Na, wenn das nicht Argumente genug sind, um sich die Arbeit, den Schluessel im Schloss umzudrehen, zu ersparen. Fuehl ich mich sicher hier? Nein...aber was soll man machen?
3. Fuehrerschein in den USA
 Wie ich ja bereits erzaehlt habe, kann man die Pruefung, wenn man sie nicht besteht, am gleichen Tag noch einmal machen. Man stellt sich einfach wieder an und probiert es nochmal. Komische Sitten sind das...! Zum Glueck war das in meinem Fall nicht noetig, ich habe doch tatsaechlich bestanden und muss jetzt nur noch die praktische Pruefung bestehen. Ein weiterer Punkt, der sich mir nur schwer erschliesst, ist die Tatsache, dass der Fuehrerschein hier nur schlappe 26$ kostet, davon traeumen deutsche Jugendliche :)
Bis bald!
Eure Nadine

December 14, 2006

Gruesse aus den USA




Hallo,


hier ist sie also, mein erster Blog aus den USA. Ja, wie ist es mir bisher so ergangen?
Freitag morgen gings los und eigentlich sollte ich 20 Stunden spaeter bei meiner Gastfamilie in San Jose ankommen. Leider hatte eines der Flugzeuge in Dublin vier Stunden Verspaetung und deswegen habe ich meinen letzten Flug von Chicago nach San Jose verpasst. Der naechste ging erst am naechsten Tag, was also tun? Ich bin dann erstmal zur Information getigert und ohne grossen Reden schwingen zu muessen, habe ich eine Uebernachtung im Hotel von der Fluggesellschaft bekommen. Aber nicht irgendein Hotel, nein, ich durfte im Hilton schlafen!!! Wow, in so einem tollem Hotel habe ich noch nicht geschlafen. Als ich die Tuer oeffnete hab ich gestrahlt wie ein kleines Kind zu Weihnachten und am liebsten waere ich fuer immer eingezogen:)! Ausserdem bekam ich von der Fluggesellschaft noch Gutscheine fuers Restaurant im Hilton, sozusagen als zusaetzliche Entschaedigung! Nach dieser Erfahrung wuensche ich mir, dass in Zukunft alle meine Fluege Verspaetung haben moegen!
Ankunft in San Jose war somit erst am naechsten Tag. Angela und Tycho, der Dreijaehrige haben mich am Flughafen abgeholt. Da ich Angela ja schon persoenlich getroffen hatte, war die Begruessung sehr herzlich und ich hatte das Gefuehl sie schon ewig zu kennen. Tycho war ueberhaupt nicht scheu mir gegenueber und hat mich direkt in die Unterhaltung mit einbezogen...echt unglaublich, was fuer einen Wortschatz der Kleene mit drei schon hat! Verstanden habe ich zwar nicht viel, aber was solls:)!
Wir sind dann nach Hause gefahren, wo ich Max und Ansel kennen gelernt habe. Mir wurde im Schnelldurchlauf das Haus gezeigt, wobei ich jetzt nach zwei Tagen sagen muss, dass sie einige Raeume ausgelassen haben bei der Besichtigung. Irgendwie ist das Haus wirklich lustig, denn es hat mindestens vier (mehr hab ich noch nicht entdeckt) Geheimtueren. Die sieht man auf den ersten Blick nicht (und auf den zweiten auch nicht) und dahinter verstecken sich entweder Badezimmer oder Abstellraeume! Der Blick auf die Stadt ist einfach gigantisch, das Haus liegt ja in den Bergen von San Jose und eine Haushaelfte ist komplett verglast, so dass man bei Tag und bei Nacht einen atemberaubenden Ausblick hat! Gluecklicherweise liegt mein Zimmer auch an dieser Glasfront!
Die Eltern haben mich sehr nett empfangen und geben sich wirklich Muehe, mir das Leben hier so angenehm wie moeglich zu gestalten. Ich habe das Gefuehl, hier wirklich sehr willkommen zu sein. Die Kinder sind auch toll, ich hatte ja irgendwie schlimmes erwartet...ist ja klar, dass alle Eltern behaupten, ihre Kinder waeren gut erzogen, aber diese sind es wirklich! Die beiden sind echt supersuess, besonders Tycho, laut seiner Mutter ist das erste, was er morgens macht, nach mir zu fragen, er will staendig mit mir spielen, umarmt mich und hat scheinbar Angst, dass ich wieder gehen koennte, da er mich schon oefters gefragt hat, ob ich gehen wuerde und wenn ich dann frage, ob er moechte, dass ich gehe, dann sagt er immer, ich solle hierbleiben und in meinem Zimmer schlafen. Ansel ist auch ein Suesser, er faengt zwar an zu schreien, wenn man ihn alleine auf dem Boden sitzen laesst und sich fuenf Meter entfernt, aber ansonsten ist er sehr pflegeleicht und strahlt mich immer an, wenn er mich sieht. 
Die letzten drei Tage habe ich mit der Familie verbracht, gestern war Tychos Geburtstagsfeier und heute hatte ich meinen ersten Arbeitstag. Tycho ist dreimal in der Woche den ganzen Tag im Daycare, seine Eltern bringen ihn dorthin und holen ihn auch wieder ab, von daher war es heute nur mit Ansel sehr entspannt. Heute musste ich auch zum ersten Mal fuer die ganze Familie essen kochen, ich hatte ja grosse Bedenken deswegen und sie haben fuer mein erstes Dinner kochen auch nicht gerade was einfaches ausgesucht, aber merkwuerdigerweise hats hingehauen (zumindest haben sie so getan, als wuerden sie es moegen;)).
Ich arbeite jeden Tag mindestens 10.5 Stunden, danach esse ich mit der Familie, unterhalte mich mit den Eltern und helfe, die Kueche aufzuraeumen. Von daher blieb mir bisher nicht viel Zeit, um irgendetwas anderes zu machen. Naechsten Samstag werde ich vermutlich meinen kalifornischen Fuehrerschein machen, dafuer muss ich auch noch lernen, wegen der Praxis mache ich mir keine Sorgen, aber die Theorie...na, mal sehen! Ein Fitnessstudio haben wir fuer mich eben auch schon rausgesucht und Angela arrangiert mir ein Date mit einem deutschen Au Pair, was fuer ihre Arbeitskollegin arbeitet. Es laeuft also langsam an...!
Aber es gibt noch viel zu tun...aber zuersteinmal muss ich mich hier eingewoehnen! Heimweh hatte ich bisher noch nicht so wirklich, Gott sei Dank! Vermutlich, weil ich einfach keine Zeit habe, um Heimwehgefuehle entstehen zu lassen. Wir werden sehen!
Ich wuensche euch allen eine wunderschoene Woche und hoffe, bald von euch zu hoeren! Ich meld mich...!


Liebe Gruesse, 


Nadine




PS: Wieso schreibt mir eigentlich niemand in mein Gaestebuch??? :( Los jetzt...!

December 11, 2006

Ankunft!



Nach einem schier unendlichen Flug bin ich endlich angekommen und will euch kurz berichten, wie es mir bisher ergangen ist. 
Der Abschied von meiner Familie war hart, aber den Umstaenden entsprechend relativ schmerzlos. Ein paar Traenen sind geflossen, aber ich hatte es mir schlimmer vorgestellt, ich war vielleicht auch viel zu nervoes, ob jetzt alles gutgeht. Mit insgesamt 14kg Uebergepaeck kam ich am Flughafen an und hatte natuerlich zu Recht Angst, dass ich damit nicht durchkommen wuerde. Aber das bin ich, wer haette das gedacht! Abends vor meinem Abflug erhielt ich noch einen "Flugzeugbrief" von einem sehr guten Freund von mir, den ich natuerlich erst im Flugzeug lesen durfte. Wir waren noch nicht in der Luft, da hab ich ihn geoeffnet und wenn ich nicht im Flugzeug gesessen haette, dann haette ich geweint. Peter, ich danke dir fuer diesen wundervollen Brief, ich habe nie einen schoeneren Brief bekommen!!! Am Dubliner Flughafen lagen meine Nerven dann bereits blank. Zuerst musste ich zum Zoll und mein Handgepaeck oeffnen und ein paar, meiner Meinung nach, ziemlich bloede Fragen beantworten. Nein, ich habe keine Drogen dabei, nein, auch keine Waffen, nein, ich habe mit niemandem auf dem Flughafen geredet und nein, ich kenne auch niemanden, der mit mir geflogen ist. Sie haben echt mein ganzes Gepaeck auseinander genommen, aber meine groesste Sorge galt meinem versiegelten Umschlag vom Konsulat, der ja mein Visum enthielt und unter gar keinen Umstaenden vorher geoeffnet werden sollte. Die Zollbeamten haben das einfach nicht kapiert und wollten ihn wirklich oeffnen...im Endeffekt haben sie ihn dann nur durchleuchtet und eine Kopie davon gemacht, keine Ahnung, was das sollte. Seh ich denn so gefaehrlich aus??? Dann hatte mein Flug nach Chicago auch noch fast vier Stunden Verspaetung, also hiess es rumsitzen und langweilen. In Chicago angekommen lief bei der Immigration dann alles gut, aber ich war wirklich enttaeuscht, dass mir niemand "Welcome to America" gesagt hat, sondern nur "Good Luck"! Da hoerte man vorher so oft, dass dieses "Welcome to America" fallen wuerde und dann wird man so herb enttaeuscht ;)! Natuerlich war mein Flieger nach San Jose bereits weg und der naechste war erst am naechsten Morgen, was mich fuer ungefaehr zehn Minuten in heller Panik versetzte. Ich stellte mir bereits vor, die naechsten 14 Stunden im Flughafen verbringen zu muessen und hatte dabei den Film "Terminal" im Kopf! 


Fortsetzung folgt...

December 05, 2006

Visum, Abschiedsparty und letzte Neuigkeiten

Bevor ich in drei Tagen ins Flugzeug steigen werde, wollte ich euch noch kurz über die Ereignisse der letzten Tage auf dem Laufenden halten!
Letzte Woche habe ich endlich mein Visum erhalten. Die eigentliche Green Card wird mir nach einigen Monaten in den USA zugeschickt, bis dahin habe ich ein Visum in meinem Reisepass, was mich schon bald zum Permanent Resident der USA macht!:) Ganz schön aufregend...! In Chicago, wo ich zwischenlanden werde, muss ich dann zur Immigration, was dort genau passiert, werde ich euch dann später berichten, wenn ich es hinter mir habe!
Vorgestern, am Sonntag, den 03.12. war dann meine Abschiedsparty. Glücklicherweise war die Party eher eine lustige als eine traurige Feier, obwohl ich schon das ein oder andere Mal einen dicken Kloß im Hals hatte, als ich mich dann von meiner Familie und meinen Freunden verabschieden musste. Ich danke euch allen, dass ihr gekommen seid und diesen Tag für mich unvergesslich gemacht habt! Ich freue mich schon darauf, mir in den USA das Video von der Party anzuschauen, dank Peter wird mich dieses Video vermutlich jedes Mal aufheitern, sollte ich mal traurig sein...ich glaube, wir hatten alle unseren Spass!:) Ich danke euch für all eure wundervollen Geschenke, ihr habt euch wirklich total Mühe gegeben und ich habe gemerkt, wie viele Gedanken und Mühe ihr euch damit gemacht habt!



Ich wurde an diesem Tag so oft gefragt, ob ich denn schon aufgeregt wäre und wie es mir gehen würde, mit dem Gedanken, Deutschland bald zu verlassen. Doch irgendwie sehe ich mich immer noch nicht in den USA, was ich langsam doch sehr merkwürdig finde. Ich kann es noch gar nicht wirklich glauben, das Ganze wirkt für mich überhaupt nicht real!
Ja, was gibt es sonst noch Neues?
Gestern habe ich meinen Nanny Vertrag von meiner Gastfamilie bekommen, der sich einerseits sehr streng anhört, andererseits auch der totalen Norm entspricht, zumindest soweit ich das beurteilen kann! Ich werde laut Vertrag jeden Tag 10 ½ Stunden arbeiten, plus einen Abend pro Monat babysitten oder auch evtl. mal länger arbeiten, wenn die Eltern Überstunden machen müssen.
Mit dem packen komme ich auch nicht so recht voran. Ich habe euch ja beim letzten Mal erzählt, dass ich zweimal 23kg mitnehmen dürfte, doch leider sind es jetzt nur noch zweimal 18kg, da die Fluggesellschaft, mit der ich fliege, nicht mehr erlaubt. Mein Koffer wiegt leer schon 5,5kg, vermutlich werde ich meine Koffer siebenmal umpacken müssen und daran verzweifeln;)!
Meine letzten Tage in Deutschland werde ich somit zur Hälfte vermutlich mit dem packen meiner Koffer verbringen! Ansonsten habe ich nicht mehr allzu viel geplant. Ich werde noch ein bisschen Zeit mit meiner Familie und Freunden verbringen und am Donnerstag werden meine beste Freundin Daniela und ich noch den ganzen Tag miteinander verbringen. Zum letzten Mal zum Weihnachtsmarkt gehen, zum letzten Mal in meinem Lieblingsrestaurant essen gehen und zum letzten Mal einen Spaziergang durch unser Dorf machen...! Und dann geht es Freitag morgen um halb acht zum Flughafen. Meine nächste Mail wird somit vermutlich bereits aus den USA kommen...!
Also...bis bald!
 
Alles Liebe, eure Nadine

November 23, 2006

Vorbereitungen

In zwei Wochen, genauer gesagt am 08.12. sitze ich im Flugzeug Richtung San Jose und so richtig realisiert habe ich es immer noch nicht. Ich frage mich, ob das noch kommen wird, die Panik, auf die ich nun bereits seit einigen Wochen warte, ist bisher ausgeblieben. Das einzige, was mir Sorgen bereitet, sind solche Gedanken wie, ob mein Visum rechtzeitig ankommen wird oder ob mit meiner Krankenversicherung in den USA alles glatt läuft. Vermutlich ist es auch besser so, wenn ich nicht allzu früh in Panik verfalle, wenn die Panik überhaupt noch irgendwann kommt, lange ist es ja nicht mehr. Aber zur Zeit freue ich mich einfach nur auf das, was mich erwartet, eine neue Familie mit tollen Kindern, ein neues Zuhause, eine neue Stadt, ein neues Leben. Ich versuche, so gut es geht, alles genau durchzuplanen, damit ich auch bloß nichts vergesse, ich bin ja so ein kleiner Organisationsfreak!:) Vielleicht bin ich auch genau aus diesem Grunde noch so gelassen, ich habe einfach keine Zeit, mir groß darüber Gedanken zu machen, was alles passieren könnte, da ich einfach soviel zu organisieren habe. Angefangen von der Auflösung meines Zimmers zuhause...ich stecke bereits jetzt im totalen Chaos! Ich hasse es, entscheiden zu müssen, was ich behalten will und was ich abgeben werde, ich hasse es, in Kategorien denken zu müssen: Diese Dinge kommen direkt mit in die USA, diese Dinge kommen später nach, das wird verschenkt, das weggeschmissen und die restlichen Dinge werden erstmal eingelagert. Ich versuche einfach, die meisten Sachen spontan zu entscheiden, mir ist jetzt schon klar, dass ich sowieso nicht all das mit bekomme, was ich gerne mitnehmen würde. Wie soll das auch gehen, wenn man nur zwei Koffer a` 23kg mitnehmen darf? Weiter geht’s mit der Planung meiner Abschiedsparty, die ja eigentlich im kleinen Kreis stattfinden soll, aber dennoch Planung bedarf. Ich möchte es gerne so typisch amerikanisch wie möglich machen und hoffe sehr, dass die Party schön und nicht allzu traurig sein wird. Des Weiteren bin ich bereits seit Wochen Geschenke am kaufen, Gastgeschenke für die Familie, Abschiedsgeschenke für meine Lieben und Weihnachtsgeschenke, da ich ja Weihnachten nicht mehr hier sein werde. Langsam werde ich pleite ;)! Hinzu kommen allerlei Arztbesuche, ich dachte mir, dass es ja ganz sinnvoll wäre, alle Ärzte noch mal abzuklappern, damit ich mich um so was nicht direkt in den USA kümmern muss. Behördengänge müssen erledigt werden, Tabletten besorgt werden und zwischendurch will ich natürlich so oft wie möglich Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen. Mit dem endgültigen Koffer packen werde ich vermutlich nächste Woche anfangen, zumindest die Packliste liegt schon bereit. Aber das Gefühl, irgendwas zu vergessen, ist immer präsent, aber das ist ja immer so.
Meine Gastmutter und ich schreiben weiterhin regelmäßig E-Mails, was ich sehr schön finde. Man merkt richtig, dass sie sich schon jetzt total um mich bemüht und dass sich die ganze Familie total auf mich freut, was mir den Abschied hier um einiges erleichtert. Gestern fragte sie, was ich gerne trinke oder zum Frühstück esse, was ich sehr süß fand, da es so rüber kam, als wolle sie bereits jetzt für mich entsprechend einkaufen gehen.:) Dann erzählt sie mir dauernd irgendwelche lustigen Geschichten über die Kinder, was sie so machen und alles in allem habe ich ein sehr, sehr gutes Gefühl bei dieser Familie, ich denke und hoffe, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, aber davon gehe ich eigentlich aus.
Am 23.12. fliegen wir zu den Großeltern nach Oklahoma, für eine Woche und darauf freue ich mich auch schon sehr, obwohl es scheint, dass der Dezember schon so ziemlich voll gepackt sein wird, jede Woche gibt’s eine andere Party und vermutlich habe ich dann gar nicht erst die Gelegenheit, Heimweh zu bekommen. Wir werden sehen...!
Es ist auf jeden Fall ziemlich aufregend, obwohl ich gerne ein bisschen weniger Aufregung hätte, gerade die Sache mit meinem Visum liegt mir schwer im Magen. Aber wer hätte auch gedacht, dass das jetzt alles so schnell geht? Geplant hatte ich ja eigentlich den 01. Januar als frühsten Ausreisetermin, aber auf die paar Wochen kommt es jetzt auch nicht mehr an. Trotzdem ist es komisch, viele Dinge bereits jetzt zum letzten Mal zu tun. Nächste Woche habe ich zum Beispiel den letzten Tag mit Nina, das Mädchen auf das ich die letzten zweieinhalb Jahre aufgepasst habe, ich denke, dass es sehr hart sein wird, von ihr Abschied zu nehmen. Mein letzter Arbeitstag steht auch für nächste Woche an, das ist irgendwie schon recht seltsam.
Aber wie ihr vielleicht auch raushören könnt, freue ich mich total auf das kommende, so schwer es vielleicht am Anfang auch sein wird, irgendwie kriege ich das schon hin, oder? :)



Bis bald!

Alles Liebe,

Eure Nadine

November 16, 2006

Green Card Interview



Am Montag, dem 13. November war es nun endlich soweit, ich hatte mein lang ersehntes Interview beim Konsulat in Frankfurt.
Nachdem ich diesem Ereignis solange entgegen gefiebert hatte, war das Interview an sich eher unspektakulär.
Um sieben Uhr morgens stand ich mit mindestens zehn anderen Leuten bibbernd vorm Konsulat und wartete darauf, eingelassen zu werden. Der Termin war zwar für acht Uhr angesetzt worden, aber ihr kennt mich ja ;)!
Zuerst ging es zum ersten Schalter, wo ich die Einladung zum Interview vorzeigen und meinen Pass vorweisen musste. Danach ging es durch die Sicherheitskontrolle, die man sich wie beim Einchecken am Flughafen vorstellen kann. Als nächstes musste ich zu einem weiteren Schalter, um die Visa Gebühren zu bezahlen. Manche werden sich jetzt sicher fragen: Wie, Gebühren? Nadine hat die Green Card doch GEWONNEN! :) Tja, so einfach ist es leider nicht, bevor entschieden wird, ob man die Green Card nun bekommt oder nicht, muss man ca. 650 Euro bezahlen. Entscheidet der zuständige Konsul beim Interview dann, dass man kein Visum bekommt, dann ist das Geld futsch, aber das Risiko geht man natürlich gerne ein!
Nach dem bezahlen hieß es erstmal warten, bis meine Nummer aufgerufen wurde. Ich durfte dann zum nächsten Schalter, wo sich prompt herausstellte, dass die teuren Passbilder vom Fotografen nichts taugen und ich neue machen müsste. Also gut, ab zum Fotoautomaten und schnell neue gemacht. Danach folgte wieder eine ewige Wartezeit, bevor ich dann endlich zum nächsten Schalter aufgerufen wurde, wo ich meine ganzen Unterlagen im Original und in der Kopie vorzeigen bzw. abgeben musste. Zu diesen Unterlagen gehören die Geburtsurkunde, das Führungszeugnis, sämtliche Zeugnisse und Nachweise darüber, dass man genug Bargeld besitzt (damit man Amerika nicht direkt nach der Einreise auf der Tasche liegt). Nachdem meine Unterlagen okay schienen, durfte ich mich erneut zum Warten hinsetzten. Um elf Ihr war es dann endlich soweit, ich durfte zum Schalter für das eigentliche Interview mit dem Konsul. Das Interview bestand im Prinzip aus drei Fragen: „Warum wollen Sie in die USA auswandern?“, „Wohin werden Sie gehen?“ und „Haben sie bereits einen Job?“ Nachdem das geklärt war, musste ich meine rechte Hand heben und schwören, dass alle Angaben, die ich zuvor gemacht hatte, der Wahrheit entsprechen und ich außerdem kein Terrorist bin!:)
Und schon war ich wieder draußen...doch es blieb keine Zeit zum Feiern, da ich direkt zum Vertragsarzt musste, was auch zur Green Card Prozedur gehört. Also ab ins Taxi und zum Arzt, wo ich wieder eine Nummer bekam und...wieder warten durfte. Nachdem ich weitere 125€ Arztgebühren zahlen „durfte“, wurde ich geröntgt, mir wurde Blut abgenommen, ich musste eine Urinprobe abgeben, einen Sehtest machen (natürlich hatte Nadine ihre Brille vergessen und ist gnadenlos durchgefallen...) und es wurde ein kompletter Check up vom Arzt durchgeführt. Zwischendurch bin ich glatt noch in Ohnmacht gefallen, weil ich zum einen nichts gegessen hatte und zum anderen schiebe ich das auch der ganzen Aufregung zu!:) Nun ja...kann passieren und war auch nicht weiter tragisch.
Und das war’s eigentlich schon...! Laut dem Konsul werde ich das Visum in ca. zwei Wochen erhalten und nun warte ich jeden Tag sehr ungeduldig auf den Briefträger... ;)!

Bis bald!

Eure Nadine

November 02, 2006

Mein neuer Job!




Der Tag, vom dem ich dachte, dass er gar nicht mehr kommen würde, ist nun endlich da: Ich habe eine Gastfamilie gefunden!
Wie ich ja bereits im letzten Beitrag berichtet habe, hatte ich während meines Urlaubes in den USA mehrere Vorstellungsgespräche, unter anderem mit einer Mutter. Direkt nach meiner Ankunft zurück in Deutschland schrieb diese Mutter mir, dass sie unser Treffen sehr schön fand und bedankte sich noch einmal für meine Zeit. Von da an schrieben wir uns regelmäßig E-Mails und bombardierten uns gegenseitig mit Fragen, um einander besser kennen zu lernen. Ihre Antworten auf meine Fragen gefielen mir und deckten eigentlich alles ab, was ich mir von einer Gastfamilie erhofft hatte. Dennoch versuchte ich meine Hoffnungen flach zu halten, da wir immer noch nicht über das Gehalt gesprochen hatten. Nach einigen Wochen schrieb sie mir, dass sie und ihr Mann denken, dass ich perfekt zu ihrer Familie passen würde und dass sie nun meine Referenzen von früheren Familien checken wollten. Letzte Woche bekam ich dann die Nachricht, dass sie mir ein Angebot schicken würden, da sie mich sehr gerne in ihre Familie aufnehmen wollten. Ich war natürlich total aus dem Häuschen und sehr aufgeregt. Ich konnte es kaum abwarten, ihren Brief zu erhalten und machte mir gleichzeitig aber auch Gedanken darüber, was ich tun würde, wenn ihr Angebot nicht meinen Vorstellungen entsprechen würde. Denn innerlich hatte ich diese Familie bereits total in mein Herz geschlossen, die äußeren Bedingungen stimmten fast haargenau zu dem, was ich mir wünschte und die Familie gab sich bereits jetzt große Mühe, schrieb mir regelmäßig E-Mails und schickte mir sehr viele Fotos, von ihrer Familie, den Häusern und meinem Zimmer.
Nur zwei Tage später erhielt ich dann ein großes Paket per UPS und fragte mich, wie viele Blätter da wohl drin sein würden, denn mit einem Paket hatte ich nun ja überhaupt nicht gerechnet. Das erste was mir „entgegen fiel“ waren Geschenke und mein erster Gedanke war: „Aha, sie wollen mich also kaufen!“ Das ist jetzt nicht negativ gemeint, ich habe mich total gefreut und überhaupt nicht daran gedacht, dass mir Geschenke schicken würden! Jetzt wollt ihr sicher auch noch wissen, was das denn für Geschenke waren, oder? Ein wunderschöner, absolut traumhaft weicher Bademantel von Nautica, eine „Body Butter“ (Bodylotion) und Trüffel. Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr mein Herz klopfte, als ich dann den beiliegenden Umschlag mit dem Angebot öffnete. Das Angebot war eine sehr bunte Collage, mit Fotos der Familie, wo die Wörter „Caring“, „Fun“ und „Adventure“ neben standen. Ganz oben auf dem Blatt stand in großen Buchstaben: „Nadine, please be our nanny!“ Ich kam aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus und hab vor Rührung fast geweint, weil ich das so süß fand. Gleichzeitig hatte ich auch Angst, weiter zu lesen, da ich befürchtete, in nur wenigen Sekunden enttäuscht zu werden.
Nun will ich euch aber nicht länger auf die Folter spannen, das Angebot der Familie umfasst folgende Dinge:
  • Krankenversicherung, auch im Ausland
  • Zahnversicherung (in den USA nicht wie hier in der Krankenversicherung enthalten und auch nicht unbedingt üblich, direkt vom Arbeitgeber zu erhalten)
  • Benutzung eines eigenen Autos, auch in meiner Freizeit (Versicherung schon enthalten)
  • Benutzung eines eigenen Laptops
  • Den Flug zur Familie (da hatte ich auch überhaupt nicht mit gerechnet!)
  • Zwei Wochen bezahlten Urlaub (mehr Urlaub haben die Amis nicht)
  • Gehalt, was meinen Anspruechen erfuellte 
Darunter stand dann noch, dass sie mich gerne ab Dezember einstellen würden, je früher, je besser und dass sie jedes Jahr zu Weihnachten zu ihrer Familie nach Oklahoma fliegen, wo sich alle Familienmitglieder für eine riesige Weihnachtsfeier treffen und dass sie mich gerne dabei hätten, wenn ich das wollen würde, den Flug würden sie natürlich bezahlen. Das kam natürlich sehr plötzlich, schließlich haben wir schon November und eigentlich hatte ich die Vorstellung, Weihnachten ein letztes Mal in Deutschland zu feiern. Nach einigem Überlegen und der moralischen Unterstützung meiner lieben Freundin Elli, kam ich dann aber zu dem Schluss, dass Weihnachten in Oklahoma auch sehr gut klingt!
Ich schickte das Angebot kurzerhand zu meiner ersten Gastmutter aus dem Au Pair Jahr und bat sie, um ihre Meinung dazu, worauf sie sagte, dass das ein sehr gutes Angebot wäre und sie die Mutter der Familie am Telefon sehr nett fand, die beiden haben ja aufgrund der Überprüfung meiner Referenzen miteinander gesprochen. Also sagte ich der Familie zu.
Zunächst habe ich nicht wirklich realisiert, was mir da gerade passiert, dass es jetzt ernst wird, doch nach ein paar Tagen sickert das doch langsam zu mir durch und ich warte eigentlich stündlich darauf, dass mich die große Panik ergreift ;) ! Einerseits bin ich total aufgeregt, überdreht und glücklich, andererseits geht das Ganze jetzt so verdammt schnell, dass mir das doch etwas Angst macht. Den genauen Abflugtermin müssen wir jetzt noch aushandeln und dann werde ich mal meine Jobs kündigen müssen und alles weitere organisieren und vorbereiten.

Ich halte euch auf dem Laufenden!

Alles Liebe, eure Nadine


October 21, 2006

Vorstellungsgespraeche



Bereits vor meinem Urlaub erhielt ich die Möglichkeit, drei Interviews (Vorstellungsgespräche) bei verschiedenen Nanny Agenturen für meinen USA Urlaub auszumachen, worüber ich sehr dankbar war. Nachdem ich alle möglichen Agenturen abtelefoniert hatte und ich meine Chancen, irgendwo aufgenommen zu werden, schwinden sah, war ich sehr froh, dass ich dies nun mit meinem Urlaub verbinden konnte. Es ist für viele Agenturen nämlich eine Bedingung, dass sie ihre Bewerber persönlich kennen lernen, bevor sie sie vermitteln, was auch ganz logisch erscheint, für mich aber ein großes Hindernis bei der Jobsuche war. Anscheinend war ich bei meiner Jobsuche etwas zu naiv rangegangen und stellte mir das alles einfacher vor, als es in der Realität war. Einen Tag vor meinem Urlaub bekam ich dann überraschenderweise noch eine E-Mail von einer Mutter, die anfragte, ob ich dazu bereit wäre, mich in meinem Urlaub mit ihr zu treffen, damit wir uns kennen lernen konnten. Natürlich sagte ich zu und war bereits in diesem Moment sehr nervös. Ich hatte totale Angst, dass keine der Agenturen mich aufnehmen würde und genauso große Angst, mich mit der Mutter zu treffen, aber das gehörte nun mal dazu.
Bereits am zweiten Tag in Los Angeles fuhr ich zur ersten Nanny Agentur und stellte mich dort vor. Die Mitarbeiterin erinnerte sich sofort an mich und alle begrüßten mich – wie die Amis nun mal sind- superfreundlich und nett. Sie stellten mir tausend Fragen, die nicht so einfach zu beantworten waren, aber ich verließ nach knapp zwei Stunden mit einem guten Gefühl die Agentur. Sie hatten mich in ihre Kartei aufgenommen und waren sehr zuversichtlich, dass sie eine Familie für mich finden würden. Ich sollte mich Anfang Dezember noch mal melden, damit sie die Suche nach einer Gastfamilie beginnen konnten, da ich ja noch auf meine Green Card warten musste. 
Ein paar Tage später rief ich die Mutter, die mich vor meinem Urlaub kontaktiert hatte an, da ich mit ihr einen Termin abstimmen musste. Sie war am Telefon sehr nett und ich hatte ein gutes Gefühl. Einige Tage später trafen wir uns in ihrem Büro in San Jose, wo sie auch lebte. Die Familie hat zwei Jungs im Alter von 8 Monaten und knapp drei Jahren. Sie leben in einem riesigen Haus mit Swimmingpool in den Hügeln von San Jose (in der Nähe von San Fransisco) und haben ein weiteres Haus auf Hawaii, wo sie einen Monat im Jahr verbringen. Beide Elternteile sind noch sehr jung, die Mutter ist 29, der Vater 30 Jahre alt und sie sehen ihre zukünftige Nanny als Teil der Familie, was für mich ja auch der wichtigste Aspekt ist. Wir sprachen 1 ½ Stunden lang über alles Mögliche, ich stellte ihr viele Fragen und sie mir genauso. Es war eigentlich sehr entspannt und lustig und ich hatte ein sehr gutes Gefühl bei dieser Familie, auch wenn sie nicht in meinem „Wunschwohnort“ wohnten und zwei Jungs haben (ja, ich arbeite lieber mit Mädchen...ich kann nicht mal genau sagen, wieso, aber es ist einfach so! Vielleicht ist das total bescheuert, aber ich kann es nicht ändern!). Trotzdem machte ich mir bei dieser Familie keine großen Hoffnungen, ich sah mich noch lange nicht dort wohnen und dieser Pessimismus ist vielleicht auch besser für mich als später wieder enttäuscht zu werden. Außerdem hatten wir noch nicht einmal über das Gehalt gesprochen, was ich aber sehr positiv fand, aber vermutlich würde es wieder an diesem Aspekt scheitern, da sie eine Nanny für ein Au Pair Gehalt wollen. In diesem Zusammenhang sollte ich vielleicht noch erzählen, dass ich mich bei der ersten Agentur schlau machte, mit was für einem Gehalt ich rechnen sollte und die Mitarbeiterin meinte, dass das Mindestgehalt bei 425$ netto (=600$ brutto) in der Woche liegt, was für mich ein guter Anhaltspunkt war.
Zwei Tage später hatte ich dann das Vorstellungsgespräch bei der Agentur, die ich vor Wochen hier schon mal erwähnt hatte. Obwohl sie am Telefon so taten, als wäre meine Aufnahme in ihre Kartei so gut wie erledigt, so wurde ich bei meiner Ankunft dort herbe enttäuscht, als sie mir sagten, dass sie mich nicht vermitteln könnten, wenn ich nicht bereits in Kalifornien wohnen würde, da würde kein Weg dran vorbei führen. Das war für mich aber überhaupt keine Alternative. Für mich kam es nie in Frage, erst in die USA zu ziehen und erst dann nach einem Job zu suchen, ich wollte bereits vor meinem Abflug wissen, wo ich landen würde.
Die dritte und letzte Agentur reagierte auch nicht viel besser. Sie nahmen mich zwar in ihre Kartei auf, meinten aber direkt, dass ich in den USA wohnen müsste, um zu Interviews zu fahren und keine Familie würde sich auf ein telefonisches Vorstellungsgespräch einlassen. Ich hatte durchaus damit gerechnet, dass ich noch mal über den großen Teich fliegen müsste, um eine Gastfamilie zu treffen, aber ich hatte weder die Zeit noch das Geld, um öfter rüber zu fliegen, um verschiedene Familien zu treffen. Ich fragte die Agentur, ob es nicht möglich wäre, dass ich noch mal für zwei Wochen rüberkomme und in diesen zwei Wochen dann mehrere Vorstellungsgespräche absolvieren könnte. Die zuständige Mitarbeiterin meinte jedoch, dass das so nicht laufen würde und machte mir keine Hoffnungen auf eine erfolgreiche Vermittlung. Ich verließ die Agentur mit einem sehr komischen Gefühl im Bauch und hatte Angst, überhaupt keine Familie mehr zu finden und vielleicht wirklich erst in die USA ziehen müsste, um einen Job zu erhalten. Das war alles so schwierig und kompliziert und obwohl ich immer den Eindruck hatte, mich sehr gut auf meine Auswanderung vorzubereiten, so hatte ich plötzlich das Gefühl, total naiv gewesen zu sein.
Als ich dann kurz nach meiner Rückkunft nach Deutschland meine E-Mails abrief, sah ich, dass ich eine E-Mail von der letzten Agentur erhalten hatte. Ich sollte mich dringend vor meinem Rückflug bei ihnen melden, da sie eine Familie für mich hätten! Na toll, nun war es zu spät...aber das sollte dann vielleicht auch so sein. Außerdem hatte ich eine E- Mail von der San Jose Mutter, die schrieb, dass sie sich sehr gefreut hat, mich kennen zu lernen und sehr dankbar ist, dass ich mir die Zeit dafür nahm. Ihre Mails sind immer sehr kurz und obwohl die E-Mail so klang, als hätten sie immer noch Interesse an mir, so stand doch nicht viel Genaueres drin, also heißt es weiterhin abwarten.
Ich halte euch auf dem Laufenden... !

Alles Liebe, eure Nadine

October 20, 2006

Urlaub in den USA

Seit gestern Mittag hat Deutschland mich wieder und ich muss sagen, dass ich froh bin, wieder hier zu sein. Das mag jetzt vielleicht komisch klingen, natürlich war mein Urlaub sehr schön und ich habe es in vollen Zügen genossen, wieder in den USA zu sein, aber es war nicht nur schön, sondern auch sehr anstrengend. Drei Wochen in den Staaten, 2900 Meilen Auto gefahren und diese ständige Suche nach einem neuen Hotel...! Die Reise startete in Los Angeles, wo wir drei Tage verbrachten. Ich war von Anfang an von dieser tollen Stadt fasziniert und auch wenn mir viele sagten, L.A. wäre eine schmutzige und unschöne Stadt, ich fand es toll! Super Wetter, Palmen, Strände und natürlich musste ich den ganzen „Touristenquatsch“ mitmachen, den man dort so machen kann: Hollywood inklusive einer Rundfahrt in einer Limousine durch Beverly Hills und Bel Air, außerdem waren wir in Venice Beach, Santa Monica Pier, Malibu, Universal Studios, Warner Brother Studios...!


Alle die mich kennen, wissen, dass ich absolut Sitcom- verrückt bin und besonders die Serie FRIENDS liebe. In den Warner Brother Studios hatte ich dann die Gelegenheit, das Set dieser Serie zu besuchen und ebenfalls das Set der Serie „Gilmore Girls“ zu besichtigen. Ich glaube, ich muss nicht weiter erwähnen, wie ich strahlte und wie beeindruckt und überwältigt ich war, oder? :)
Nach diesen drei Tagen ging es über den Pacific Coast Highway hoch Richtung San Fransisco. Unterwegs legten wir einen Zwischenstopp in San Jose ein und besuchten das „Winchester Mistery House“.
San Fransisco begrüßte uns mit Regen und meiner Empfindung nach mit eisiger Kälte. Nichts desto trotz saß ich staunend im Auto und bewunderte die Skyline bei Nacht. Unser Hotel, was eher eine Jugendherberge war, war leider weniger toll. Wir mussten uns das Zimmer mit vier anderen Jungs teilen, was weniger ein Zimmer, als eine Hundehütte war. Nun gut dachte ich, zwei Tage werde ich das schon aushalten, wir müssen hier ja schließlich nur schlafen. An Schlaf war jedoch nicht zu denken. Die erste Nacht verlief so: Der Typ der unter mir im Etagenbett schlief (Michael) war schwul und machte jeden Kerl an, der bei uns im Zimmer war. Ein anderer konnte dies weniger gut händeln und flippte aus. Die weitere Nacht war für mich mehr eine schlaflose Nacht, da dieser besagte Kerl sehr, sehr laut schnarchte. Ich hatte das Gefühl, in dieser Nacht noch jemanden umbringen zu müssen ;-)! Die zweite Nacht war allerdings noch viel schlimmer, da ich immer mehr den Eindruck bekam, dass Michael ein Drogenabhängiger auf Entzug war! Zumindest verhielt er sich so. Jede Stunde sprang er wie ein Wilder aus dem Bett, schrie rum, führte Selbstgespräche und flippte total aus. Er rannte aus dem Zimmer, spuckte oder erbrach sich in dem Mülleimer neben unserer Tür, rannte zurück und dann war wieder Ruhe. Na ja, wenigstens für eine gewisse Zeit. Als wenn das nicht genug war, so ereignete sich draußen vor unserem Fenster noch eine handfeste Schlägerei, wo dann auch die Polizei eingeschaltet wurde. Super! San Fransisco war dafür umso schöner, auch wenn mein Vater wieder nur einen ganzen Tag dort verbringen wollte.


Weiter ging es zum Yosemite National Park, wo wir ebenfalls einen Tag verbrachten. Ich mag ja lieber diese großen Städte und weniger das Land, wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätten wir eine Woche in L.A. verbracht, eine weitere in San Fransisco und die dritte in Las Vegas.
Am Ende der dritten Woche trafen wir nach einigen Zwischenstationen in kleineren Städten dann in Las Vegas ein. Nach einem kurzen Ausflug in ein Outlet (wo ich natürlich ausgiebig Geschenke für meine Lieben daheim kaufte), erkundigten wir den Las Vegas Blvd. (Strip) und kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Unglaublich diese Stadt und ich fand es mal wieder sehr schade, dass wir nicht länger dort verbringen konnten.
Danach fuhren wir Richtung San Diego, weiter über Long Beach und viele weitere schöne Städte am Meer bis wir nach am Ende wieder in Los Angeles endeten, wo wir noch zwei weitere Tage verbrachten.




Drei Jahre ist es her, seit ich zuletzt in den USA war. Vor unserer Abreise hatte ich irgendwie Angst, dass mir Kalifornien gar nicht gefallen würde, aber diese Angst stellte sich dann glücklicherweise als unbegründet heraus. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich merkwürdigerweise in der ersten Woche ein leichtes Heimwehgefühl hatte, was ich mir absolut nicht erklären konnte. Dieses Gefühl machte mir totale Angst. Zum einen weil ich nicht wusste, woher dieses Gefühl kam und zum anderen natürlich mit dem Gedanken an die bevorstehende Auswanderung! Wenn ich schon nach zwei Tagen Heimweh hatte, wie sollte ich diese ganze Sache dann bewerkstelligen? Mittlerweile denke ich, dass ich mich einfach so fühlte, weil ich dort ja kein Zuhause hatte. Wir reisten ständig herum, blieben nie für lange  an einem Ort und ich hatte keinerlei Privatsphäre, was ich überhaupt nicht mag. Natürlich ist mir klar, dass ich auch nach meiner Auswanderung Heimweh haben werde, ich denke, das ist auch ganz normal und wird vergehen. Ich hoffe es. Es war schon ein sehr merkwürdiges Gefühl dort zu sein. Jede Stadt, die wir besuchten, betrachtete ich als potenzielles neues Zuhause, ich dachte ständig darüber nach, wann ich wohl das nächste mal in den USA sein würde, wo ich landen würde und wie es mir gehen würde. Doch mittlerweile vergeht die Zeit so rasend schnell, dass ich auch Angst bekomme. Angst vor meiner eigenen Courage und diesem großen Schritt. Und das wird wohl erst der Anfang sein...!


Alles in allem war der Urlaub aber wirklich sehr schön und hat mir Gelegenheit gegeben meine neue Heimat etwas kennen zu lernen. Alles weitere folgt bald...!

Bis bald, eure Nadine